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Winterstarre
Ich bechreibe meine Erfahrungen und meine Art der Einwinterung. Dabei versuche ich den Tieren die Bedingungen zu bieten, wie sie es auch im Habitat vorfinden. Jeder muß für sich bzw. für seine Tiere die beste Möglichkeit finden. Ich bitte auch zu beachten, das mein Gewächshaus bestens isoliert ist. Auch wenn hier die ganzjährige Haltung mit Überwinterung klappt, heißt das nicht, das es auch in einem normalen Gewächshaus oder Frühbeet, welches zum einen kleiner und zum anderen nicht so gut isoliert ist. Wird ein Frühbeet/Gewächshaus immer von der Sonne bestrahlt, heizt es natürlich zu stark auf und die Tiere würden wieder wach werden. So lange man sich nicht sicher ist und wenigstens einen Winter lang die Temperaturen überprüft hat, sollte man die Tiere, nachdem sie sich im Frühbeet/Gewächhaus vergraben haben und ca. 2 Wochen nicht mehr raus gekommen sind, lieber in einen Kühlschrank überführen.
 Hier der Kühlschrank von Susanne G., darin schlummern schon ihre Russen. Die Lampe muß aber noch raus.
Der Kühlschrank sollte natürlich auch schon eine längere Testphase (Temperatur in der mit Substrat gefüllten Kiste messen) hinter sich haben. Er sollte kein Gefrierfach haben und die Lampe sollte man rausschrauben, damit er nicht jedesmal aufheizt, wenn man die Tür aufmacht. Es sollte auch kein total altes Gerät sein, was noch lautere Geräusche abgibt. Die Kisten müssen mit Gartenerde, Buchenblätter und Spagnum-Moos gefüllt sein. Dann entweder Deckel mit Löchern drauf oder ein nasses Handtuch drüber decken, welches man mindestens einmal die Wochen nachfeuchten muß.
Wichtig
ist die Vorbereitungszeit und noch wichtiger ist es, das man nur
gesunde Tiere einwintert. Daher unbedingt möglichst bis spätestens
mitte August eine Kotprobe untersuchen lassen (s. den Punkt Kotprobe unter Gesundheit).
Wird bei dem Tier ein behandlungswürdiger Befall festgestellt, muss man
nach der Eingabe des Entwurmungsmittels noch wenigstens 6-8 Wochen gut füttern und darf dann erst mit der
4-wöchigen Vorbereitung auf die Winterstarre anfangen. Wenn man also
Mitte Oktober damit anfangen will, wird eine Entwurmung im September
schon zu spät und man kann mit der Vorbereitung erst im Dezember
anfangen. Das Problem ist dabei, das man es trotz aller Lampen oft
nicht mehr schafft, die Tiere gut am Futter zu halten. Wenn man also schon absehen kann, das es mit dem Einschicken der Kotprobe im Juli/August nichts wird (z.B. wegen Urlaub etc.), dann sollte man das lieber früher machen (Mai/Juni) als zu spät.Bei den
horsfieldii´s sollten Kotprobe und evtl. Entwurmung eh schon im Mai/Juni
stattfinden, da sie auch im Sommer nicht sehr aktiv sind und auch evtl. eine
Sommerruhe halten. Das machen manche Tier auch hier, obwohl die
Temperaturen nicht so hoch sind wie im Habitat. Eine meiner
horsfieldii-Damen gräbt sich jedes Jahr meistens schon Ende August ein
und kommt auch nicht mehr großartig zum Vorschein. Wenn ich sie nicht
kontrolliert halte, dann gräbt sie sich immer tiefer ein und geht im
Herbst gleich in die Winterstarre über. Vor ca. 10 Jahren ist sie mir
entwischt und hat versehendlich draußen überwintert. Da sie sich eine
feuchte Stelle ausgesucht hatte, ist ihr das nicht so gut bekommen und
sie hat einen Schnupfen bekommen. Sie kam dann mitte Februar genau an
der Stelle raus, wo ich im Herbst schon ca. 60 cm tief und einen qm
ausgeschachtet hatte um sie zu suchen. Darunter war nur nasser,
klebriger Lehm und ich hatte nicht gedacht, das sie da sein könnte. Es
ist mir ein Rätsel, wie sie in der Pampe überhaupt atmen konnte. Auch
habe ich keinen Gang oder irgendwas gesehen, was darauf schließen ließ,
das sie sich hier befand. Im letzen Jahr war sie auch schon ca. 50 cm
schräg in einem Hügel verschwunden. Aber ich habe sie noch entdeckt und
ab dann im Gewächshaus kontrolliert gehalten und sich da eingraben lassen. In diesem
Jahr ist sie auch schon wieder seit Anfang September im Boden des
Gewächshauses verschwunden.
 Ich habe ein Gewächshaus mit
Thermo-Scheiben, was ich im Winter gut auf 5 Grad halten kann. Es ist
mehr ein Anbau an unseren Wintergarten.
So sieht es in der Übergangszeit aus. Es befindet sich ein Heizkörper
darin, der an unsere Ölheizung vom Haus gekoppelt ist und daher kann
ich bei ganz krassen Minusgraden auch damit zuheizen. Wenn es noch kälter wird, heize ich noch mit Lampen extra zu. Bisher hat es immer gut geklappt.
Die Sonne scheint
in den Wintermonaten kaum darauf, da sie zu tief steht und unser
Nachbarhaus davor steht. Somit kann sich das Gewächshaus auch nicht all
zu sehr aufheizen. Wenn sie spät Nachmittags um die Ecke kommt und noch
auf das Gewächshaus trifft, steht sie aber so tief, das sie nicht den
Boden trifft, wo die Schildkröten im hinteren Teil teils mehr oder
weniger in, oder auf der Erde, unter Buchenblättern und Spagnum-Moos liegen.
Die beiden Veluxfenster im schräg stehenden Dach kann ich auch mehr oder weniger aufmachen, dann ist die Innentemperatur wie draußen. Die Temperatur unter Buchenblättern und Spagnum-Moos, also auf der Erde, liegt
dann immer im 5 Grad Bereich und es sind kaum Temperaturschwankungen zu merken. Auch wenn sich die Lufttemperatur im
Gewächshaus tagsüber kurzfristig etwas erhöht oder während der Nacht auch mal
unter 4 Grad runter geht, bleibt die Temperatur in dem Bereicht unter
Laub und Spagnum immer noch bei 5 Grad. Für den Fall das die
Luft-Temperatur unter 4 Grad runter geht, habe ich eine Infrarot-Birne
mit einem Thermotimer gekoppelt. Wenn ich also rotes Licht sehe, weiß
ich gleich, das ich reagieren muß und bei kleinen Abweichungen die
Fenster zu unserem Wintergarten öffnen muß oder bei krassen Minusgraden
die Heizung anmachen muß. Kleine Schwankungen regelt dann noch die
Infrarot-Lampe, aber das ganze Gewächshaus schafft sie nicht. Dann kommen evtl. noch Wärmelampen zum Einsatz. Die
Schlüpflinge und die semiadulten Tiere können sich auch in Ihren
Gehegen selbständig auf die Winterstarre vorbereiten. (Sie sind in ca. 2 qm großen Gehegen, die auf Füssen stehen. Oben sind dann die Baby´s und unten laufen die adulten Tiere. Im Gegensatz zu
den älteren Tieren, die ich nur in Ausnahmefällen bade, wenn z.B. mal
eine etwas eingefallene Augen hat, bade ich die Schlüpflinge ca. 1-2 mal vor der Winterstarre und die Semiadulten je nach Alter ca. 1 mal, damit sie
noch genug Wasser aufnehmen können.
Wenn sie sich dann vergraben haben
und ca. 2 Wochen nicht mehr heraus gekommen sind, habe ich sie früher ausgegraben und in den Kühlschrank in die vorbereiteten Kisten umgepackt.
Hier hatte ich schon Plastik-Kisten vorbereitet in die ich Gartenerde
mit Spagnummoos, teilweise vermischt und etwas Spagnummoos und Buchenblätter extra oben drauf. Alles sollte leicht
feucht sein. Spagnummoos und Buchenblätter schimmeln nicht, daher sind sie gut zu verwenden. Bitte kein Heu oder andere Blätter verwenden.
Zwischendurch kann man dann die Buchenblätter immer mal
etwas mit Wasser besprühen. Wichtig ist, das sich auf der Kiste
entweder ein Deckel mit Löchern befindet oder ein feuchtes Handtuch
darüber liegt. Das Handtuch muß man mindestens einmal die Woche neu
anfeuchten. Man glaubt garnicht wie viel Feuchtigkeit der Kühlschrank
aus dem Kühlgut zieht und hätte man nicht das feuchte Substrat und das
Handtuch, dann würde die Feuchtigkeit aus der Schildkröte gezogen.Wenn
man die Tiere in die Kiste setzt, graben sich einige mit der Zeit
teilweise bis unten in die Kiste ein. Andere wiederum bleiben oben auf
der Erde sitzen. Deshalb mache ich immer kleine Kuhlen, wo ich die
Tiere dann reinsetzte. Der Kopf bleibt frei, aber rundum grenzt schon
Erde an den Panzer. Obendrauf kommt dann noch locker etwas leicht
feuchtes Spagnummoos und darüber dann die Blätter. Die Kiste sollte
man so groß wählen, das der Kühlschrank gerade noch zu geht. Je mehr
Erde/Spagnum-Gemisch sich darin befindet, um so geringer sind die
Temperaturschwankungen. Die Temperatur im Kühlschrank sollte
man natürlich schon vorher gemessen haben und nicht erst wenn man die
Tiere in den Kühlschrank bringt. Gemessen wird die Temperatur im
Substrat, am besten mit einem Thermometer mit Fernfühler welches auch
die Min./Max.-Temeratur anzeigt. Die Temperatur sollte zwischen 4 und 6
Grad liegen. Optimal sind 5 Grad. Die meisten Kühlschränke haben in
jedem Fach etwas unterschiedliche Temperaturen, also mal ausprobieren.
Wenn nur eine Kiste im Kühlschrank steht, sollte man den Rest mit
wassergefüllten Plastikflaschen ausfüllen. Je mehr Kühlgut um so
konstanter die Temperaturen. Aber vorsicht, nicht zu voll packen. Als
ich mal zu viele Kisten darin hatte, ist mein Kühlschrank ganz
ausgefallen und die Temperatur war plötzlich auf 10 Grad. Man sollte
also auch auf die Tücken des Gerätes achten. Bei manchen Kühlschränken
sind auch die Temperaturschwankungen zu groß. So ein Gerät sollte man
nicht benutzen. Auch ein Gerät mit zu lauten Geräuschen sollte man
meiden. Außerdem sollte er kein Gefrierfach haben und die Lampe muß
entfernt werden.
Ist nun alles bedacht und die Tiere im Kühlschrank, dann braucht man
nur noch 1-2 Mal pro Woche die Tür kurz aufmachen, damit Sauerstoff
rein kommt und mindestens einmal die Woche das Handtuch anfeuchten.Heute bleiben auch die Schlüpflinge und Semiadulten in ihren Gehegen im Gewächshaus. Vorrausetzung ist, das ich die Temperatur bei 4-6 Grad halten kann, was mittlerweile super klappt. Nur Quarantänetiere oder andere Sonderfälle kommen manchmal noch in den Kühlschrank.
Hätte ich nur die adulten Tiere direkt in der Erde, dann brauchte ich nur die Temperatur in der Erde messen und diese auf 4-6 Grad halten. Die Tiere können sich dann, auch wenn es kälter oder wärmer wird, entsprechend tief eingraben, da kein Boden im Gewächshaus ist. Je tiefer sie gehen, um so konstanter ist die Temperatur. Da ich aber auch die Baby´s und Semiadulten in den höher stehenden Gehegen hier überwintere, wo eben nicht das große Erdvolumen ist, muß auch hier die Temperatur einigermaßen konstant bei 4-6 Grad liegen. Da in den kleinen Gehegen die Temperaturschwankungen schneller greifen, muß ich somit die Lufttemperatur auf diese 4-6 Grad halten. Hier unter dem leicht feuchen Laub und dem Spagnum-Moos, das ich über die Erde gedeckt habe, schlummern die kleinen Kröten. Die Kisten werden zur Hälfte bzw. 2/3 mit Brettern abgedeckt, damit es darunter dunkel ist falls mal die Sonne ins Gewächshaus scheinen sollte. Wichtig ist, das viel Substrat in den Kisten ist, damit die Temperaturschwankungen niedrig gehalten werden.
Meine Schlüpflinge lasse ich ca. 3 Monate schlafen, alle älteren Tiere
ca. 3-4 Monate (je nach Art oder Gesundheit). Die adulten Tiere im Gewächshaus werden von selbst ab
Mitte März wach. Sie bleiben je nach Art ca. 3-4,5 Moante in der Erde, die horsfieldii sogar teilweise 5 bis knapp 6 Monate. Sogar bei denen gibt es Unterschiede.
Sobald sich im Gewächshaus ein Tier ausgräbt, auch wenn es früher als März ist, dann mache ich auch wieder
eine Lampe an. Ebenso ist Futter und Wasser da. Aber die
Umgebungstemperatur bleibt erst noch unten und die Nachttemperatur
auch. Nur die punktuelle Wärme unter der Lampe ist gegeben, damit das Tier
auf Stoffwechseltemperatur kommen kann. Sind dann erst mehrere Tiere wach, oder spätestens mitte März, erhöhe ich auch die Umgebungstemperatur. Dann kommen nach und nach auch alle anderen Tiere raus. Viele haben unterschiedliche Zeiten der Einwinterung, ob früher oder später, ob länger oder kürzer. Ich denke das hängt mit der Herkunft zusammen, aus welchem Habitat sie stammen. Bei den alten Tieren kann man das meistens nicht mehr feststellen, weil sie früher aus allen südlichen Ländern eingeführt wurden. Da die Baby´s auch unterschiedliche Zeiten haben, denke ich, das es sich bei ihnen nach den Elterntieren richtet. Ich habe einmal Mutter und Tocher und beide kommen immer recht spät aus der Winterstarre und gehen auch zur gleichen Zeit in die Erde.
Baby´s die schon teilweise im Januar oder Februar wach werden, hole ich noch für ca. 4 Wochen ins Haus, damit ich noch nicht das ganze Gewächshaus hochheizen muß (dann würden ja auch die adulten Tieren schon wach werden).
Aber nun zu den Tieren im Kühlschrank. Bei konstanter Temperatur werden sie normaleweise nicht wach und müssen um aus der Winterstarre zu erwachen, von mir aus dem Kühlschrank heraus geholt werden. Wenn zwischendurch mal ein Tier hochkommt, dann setzte ich sie noch einmal in eine Mulde und versuche ob sie weiterschläft. Evtl.mache ich das noch ein zweites Mal. Kommt sie aber wieder hoch, dann könnte etwas nicht in Ordnung sein und ich wintere sie langsam aus.
Alle anderen im Kühlschrank schlafenden, werden von mir ausgewintert, die Baby´s im Februar. Dazu stelle ich die Kisten aus dem Kühlschrank erstmal in unseren Wintergarten, damit sie langsam aufwärmen. Einige der Krötchen kommen dann schon langsam an die Oberfläche. Die oben angekommenen Tiere setzte ich dann mit der kalten Erde aus den Überwinterungskisten in das vorbereitete Innengehege auf die Seite wo keine Lampe ist. Wenn sie dann von selbst unter die Lampen laufen, besprühe ich sie noch etwas mit Wasser. Das ersetzt den Frühjahrsregen im Habitat. Oft geben sie dann noch Kotreste und auch Urate ab. Dann fangen sie auch meisten schon an zu fressen.
Die semiadulten Tiere wintere ich Anfang bis Mitte März aus. Sie kommen direkt vom Kühlschrank wieder in die Gehege ins Gewächshaus. Da kommen dann einige sofort zum Vorschein, andere schlafen noch etwas weiter. Nach der Winterstarre werden alle Tiere ca. 1-2 mal gebadet und auch wieder täglich besprüht. Außer die alten Vierzehen, die sollten nicht so feucht gehalten werden.
Falls sie ein Frühbeet oder Gewächshaus haben welches nicht ganz winterfest ist, dann sollten Sie ihre Tiere auch im Kühlschrank überwintern. Bevor sie es im Gewächshaus wagen, dann sollten sie erstmal einen Winter lang die Temperaturen testen und außerdem müssen noch Vorkehrungen getroffen werden, damit die Tiere sich zwar tief genug, aber nicht zu den Seiten durchgraben und vor allem das von außen keine Ratten oder Mäuse reinkommen können, denn in der Winterstarre sind die Tiere schutzlos und können ganz ausgefressen werden. Die Vorbereitungen und auch die Au swinterung sollte dann aber unbedingt im Frühbeet oder Gewächshaus stattfinden, weil man im Haus nicht die richtigen Temperaturen stellen kann. Das heißt man bekommt keine Nachttemperaturen unter 10 Grad, damit die Tiere sich erstmal auf Winter umstellen können. Außerdem ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig und die Tiere bekommen meistens eine feuchte Nase. Dann rennen viele zum Tierarzt. Wenn das dann auch noch jemand ist, der keine große Ahnung von Schildkröten hat, dann wird oftmals noch Anibiotika in die Tiere gespritzt. Womit man dann mehr falsch als richtig macht, da es mit genügender Luftfeuchtigkeit garnicht so weit gekommen wäre. In so einem Fall kann man dann die Winterstarre schon wieder knicken, weil die Tiere mit Medikamenten im Körper nicht eingewintert werden sollten. Dadurch gerät der ganze Organismus durcheinander, das Immunsystem wird geschwächt, dadurch werden sie wieder Anfälliger für Krankheiten und Parasiten und ein dauernder Kreislauf beginnt. Deshalb, gleich alles vernünftig machen, dann hat man auch keine Probleme.
Einfach immer überlegen, wie es die Tiere im Habitat haben und das versuchen nachzustellen, dann kann eigentlich nichts schiefgehen. In der Winterstarre ist mir noch kein Tier verstorben. Das machen auch die Kleinsten schon und ganz ohne Probleme.

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