
H e r b s t b i l d
Dies ist ein Herbstag, wie ich keinen sah ! Die Luft ist still, als atmete man kaum. Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O, stört sie nicht, die Feier der Natur ! Dies ist die Lese, die sie selber hält, denn heute löst sich von den Zweigen nur, was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
Friedrich Hebbel 1813 - 1863

O k t o b e r l i e d
Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll, unchristlich oder christlich, Ist doch die Welt, die schöne Welt, so gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz - stoß an und lass es klingen! Wir wissen's doch, ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub; schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden!
Theodor Storm 1817 - 1888
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