| Ich freue mich sehr, euch das erste Projekt unserer Community vorstellen zu dürfen. In diesem Projekt ging es darum, was Menschen mit psych. Problemen sich von der Umwelt wünschen. Durch ganz konkrete Aussagen von Betroffenen zu dieser Thematik hoffen wir, Nichtbetroffenen einen Einblick in unsere Gefühlswelt gewähren zu können.
Projekt I: "Was ich mir von meiner Umwelt wünsche"
"Ich wollte früher nie mit meinen Freunden ins Schwimmbad gehen, wegen meiner Narben (-> an den Beinen), und auch weil ich mich für zu dick hielt. Das ich eine ES und SVV hatte, bekamen sie erst mit, als ich in die Klinik kam.
Als ich dann wieder zurück war, meinten sie sofort, ja, jetzt sei ja alles gut und überhaupt- und jetzt könne ich ja dann als auch mit ihnen ins Schwimmbad. Für mich war das allerdings keinenfalls so, ich hatte und habe immer noch Probleme, mich anderen Menschen, und dann auch noch so vielen, auch fremden, auf einmal in einem Bikini zu zeigen.
Das war nur ein Beispiel, für das, was ich oft erlebe: Meine Mitmenschen erwarten nach dem KLinikaufenthalt von mir, dass alles sofort wieder toll ist und überhaupt. Sie sehen nicht, das das bloß der Anfang war, eines Weges, denn ich erst noch gehen muss- und zwar nicht meine Therapeuten, sondern ich. Sie verstehen nicht, dass ich vielleicht ein Leben lang mit diesen Dingen zu kämpfen haben werde.
Ich denke, das liegt daran, dass sie ja praktisch die Krankheit nicht von Anfang an mitbekommen haben, sondern als es schon "zu spät" war, (bzw, die letzte Konsequenz, also Klinik gezogen wurde) damit konfrontiert wurden. So konnten sie nicht sehen, dass es sich nach und nach entwickelt hat, wie es sich gesteigert hat etc. Für sie war es einfach plötzlich da. Und was plötzlich da ist, muss ja auch plötzlich wieder weg sein können.
Aber das war es nicht, und, wie gesagt, ich bin erst am Anfang des Weges. Großes Bla um nichts; Was ich eigentlich sagen wollte, ist: Ich wünsche mir von Verwandten, Freunden, Lehrern und Klassenkameraden da einfach mehr Nachsicht, und mehr Geduld. Und die Einsicht, dass es nicht "bling" macht, und ich bin gesund, sondern dass es dauert, und dass ich da jeden Tag aufs neue kämpfen muss. Wenn es mir schlecht geht, und ich mich meiner Mutter anvertraue, will sie mich immer in den Arm nehmen, was ja nett gemeint ist. Ich habe ihr aber schon sooft gesagt, dass ich das oft nicht aushalten kann, wenn mich dann jemand berührt, schon garnicht, wenn man mich so festklammert, wie sie es immer tut. Ich habe dann immer das Gefühl, sie zerdrückt mich oder will mir wehtun, es kam schon öfter vor, dass ich dann keine Luft mehr bekam (Also nicht, weil sie mich so fest gedrückt hat, sondern wegen meiner Angst). Wenn ich mich dann aus ihrem Arm winde oder sogar wegrenne kommt sie mir immer hinterher, und will mich wieder in den Arm nehmen. Ich bekomme dann manchmal richtige Panik und schreie, einmal ist mir sogar schwarz vor Augen geworden. Sie meint es ja gut, aber ich hab dann immer solche Angst... Es ist sogar schon ein schreckliches Gefühl, nur darüber zu schreiben..
Deshalb wünsche ich mir von Leuten, mit denen ich rede, dass sie akzeptieren, was ich in dem Moment möchte und nicht möchte. Und das sie auch einsehen, dass ich selbst weiß, was in dem Moment gut für mich ist, und was nicht, und so nicht versuchen, selbst zu bestimmen, was ich brauche (Also hier eben "ich muss sie jetzt in den arm nehme", auch wenn ich sage, "lass mich los,ich will es nicht")."
"Was ich mir wünsche...
Ich wünsche mir in erster Linie Akzeptanz und Geduld von Nichtbetroffen bzw. Angehörigen. Wir haben uns unsere Probleme nicht ausgesucht und versuchen eben, damit umzugehen, so gut es geht. Aber wir können nicht auf Knopfdruck unsere Sorgen und "Zustände" "wegstecken". Wir wollen euch damit nicht Angst machen, und das Allerletzte was wir wollen ist, euch damit zu belasten. Was mir z.B. viel bedeutet, ist einfach eine liebe Umarmung oder alleine schon das Wissen, dass man bereit ist, meine Zustände mit mir durchzustehen und nicht böse auf mich zu sein, wenn ich mal nicht so gut drauf bin.
Ich wünsche mir außerdem, dass die Gesellschaft wieder auf nicht-materielle Dinge Wert legt. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, wo ich dies schreibe, wäre dies ein guter Anlass dazu, einander in Wohlwollen zu begegnen. Einen Junkie z.B. nicht gleich als "Kriminellen" zu bezeichnen, bloß weil irgendwas in seinem Leben falsch gelaufen ist. Einen Depressiven nicht gleich als "Heulsuse" abzustempeln, bloß weil er sensibler auf manches reagiert. Einen Menschen nicht bloß nach dem Äußeren zu beurteilen, bloß weil er "anders" ist.
Ich wünsche mir, dass die Menschen versuchen, "uns" zu verstehen, oder zumindest vom Verstand her nachvollziehen zu können, warum wir so oder so fühlen. Denn alleine, wenn uns jemand keine Vorwürfe für unser Verhalten macht, gibt uns das schon das Gefühl, dass da jemand ist, der uns so mag wie wir sind.
Denn wenn wir einander die Hände reichen, sind wir stark!"
"Nun - was ich mir von der Menschheit wünsche ist...
....das sie verstehen, dass wir nicht verrückt sind. Das jeder Mensch durch irgend ein schlimmes Ereignis in seinem Leben auch an einem Trauma erkranken kann.
...das sie lernen zuzuhören.
...das sie Grenzen respektiren, weil die doch weitgehend einfach überschritten worden sind.
...das wir ganz klar und sehr wichtig von niemanden zu irgend etwas gezwungen werden, was wir nicht wollen.
...respektiert das eine Traumatherapie nicht von einen Tag auf den anderen einfach abgeschlossen sein kann. Es geht solange wir brauchen und nicht mal eben von einem Tag auf den anderen. Wir selbst bestimmen das tempo - nicht irgend jemand anders.
...das wirklich nie irgend etwas, was mit Missbrauch zu tun hat gegen uns verwendet wird.
...ich niemand dazu zwingen will und kann mir irgend einen Teil meiner Geschichte zu glauben. Das finde ich schon voll daneben und irre verletzend.
...das ihr wenn ihr die Möglichkeit habt für gute Therapieplätze sorgt und man nicht das Gefühl hat man muss seinem Therapeuten was beibringen.
... das ihr nicht irgend welche Aussagen oder Versprechen ausspricht, die ihr dann doch nicht einhaltet. Eine Absprache ist eine Absprache - das ist der volle Vertrauensbruch.
....das wir hin und wieder doch auch mal hören wollen, was wir wirklich gut machen und was uns ausmacht.
Ich glaube das ist schon mal sehr viel für den Anfang und auch sehr viel wert."
"Ich wünsch mir:
erst mal annehmen, akzeptanz, dasein, zuhören, Verstehen, begreifen,
Kein Verurteilen oder Tipps geben, die ein anderer nicht umsetzen kann
nicht sagen: "Hey, dein Druck ist noch nicht hoch genug" oder "Wenn du nichts ändern willst, dann jammere nicht" oder....
Einfühlungsvermögen
dass auch in meinem Alter, Leute da sind, und mich verstehen"
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